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Veröffentlicht: 02.11.2020
Autor: Steffi Geiser

In Coronazeiten auf den Kilimanjaro

Der schmale Grat zwischen Panik und gesundem Menschenverstand

 

Die Bilder dieser Reise sind nicht einmal 2 Wochen alt. Sie stammen aus Tansania und wurden von Peter, einem unerschrockenen Reiseteilnehmer, aufgenommen, der gemeinsam mit weiteren Mitstreitern trotz Reisewarnung und Aufrufen von Politikern nach Tansania reist, um den Kilimanjaro zu besteigen. Wie kann das überhaupt sein?

Zwei Teilnehmer machen den Anfang

 

Völlig unerschrocken reisen zwei Teilnehmer im September nach Tansania. Über die Lemosho Route soll es auf den Kilimanjaro gehen. Die KLM fliegt wieder regelmäßig den Kilimanjaro Airport an. In Arusha landen sie mit Zusatzgepäck. Neue Bekleidung für die Träger ist mit dabei. Der Berg ist nahezu leer, im Wesentlichen konzentriert sich das Wenige, das vom Tourismus geblieben ist, auf Safaris. Umso größer ist die Freude bei den Trägern, Köchen und Guides über die Ankunft der beiden Deutschen. Endlich Arbeit und Einkommen!

 

Auch im Hotel, außerhalb von Arusha, ist die Freude groß. Das kleine Anwesen beherbergt schon in normalen Zeiten nur rund 80 - 100 Gäste, momentan sind es deutlich weinger. Es ist eines der wenigen, das überhaupt geöffnet hat. Die einzeln stehenden Unterkünfte für jeweils 2 Personen stehen auf dem großen Anwesen verteilt. Im Hauptgebäude gibt es ein funktionierendes Hygienekonzept.

 

Die beiden Teilnehmer, Leandra und Bertin, starten wie geplant zum Kilimanjaro und erreichen beide den Gipfel. Allein. Keine anderen Gruppen sind unterwegs. Sie sind tief beeindruckt, stolz und dankbar. Dankbar auch darüber, dass Alpine Welten ihnen diesen Reisetraum überhaupt erfüllt hat.

"...zunächst möchten wir uns ganz herzlich für Eure individuelle Beratung und Organisation unserer Traum-Reise bedanken. Von Beginn an haben wir uns gut informiert und umsorgt gefühlt. Zudem sind wir froh und dankbar, dass wir dem Coronavirus trotzen konnten: Am Montagnachmittag sind wir gut in Frankfurt angekommen. Der anschließende Covid 19- Test erwies sich als negativ. Das Ergebnis wurde uns um Mitternacht via Mail zugestellt. Am Dienstagvormittag haben wir dann unser zuständiges Gesundheitsamt kontaktiert, um das weitere Procedere zu besprechen. Wir bekamen sofort die Freigabe, dass eine weitere Isolierung nicht notwendig sei. Der Alltag hatte uns also prompt wieder. Wir sind seit Mittwoch bzw. Donnerstag wieder auf Arbeit. Die vielen Fotos und Videos werden nun von uns gesichtet. Ich werde in Kürze mit der Gestaltung unseres Fotobuchs beginnen. Meine bzw. unsere Chance die Reise zu rekapitulieren und Eindrücke und Erlebnisse zu be- bzw. zu verarbeiten. Es war eine einzigartige und traumerfüllende Reise. Wir sind dankbar, das Kilimandscharo-Massiv über die Lemosho-Route erleben zu können. Wir ermutigen jede(n), diese bzw. eine Reise in dieser besonderen Zeit anzutreten.

Ein großes Lob, insbesondere Respekt und Anerkennung, möchten wir Seba und der 15-köpfigen Crew entgegenbringen. Sie haben uns zu jeder Zeit Sicherheit vermittelt, uns super motiviert und für unser leibliches Wohl gesorgt... Vielen, vielen Dank."

Gipfeltraum zum 60. Geburtstag

 

Bereits im März 2020 wollte Hans Beggel an seinem 60. Geburtstag auf dem Gipfel des Kilimanjaro stehen. Die Planungen dazu liefen schon ein halbes Jahr. Der Traum selbst war uralt. Doch wer machte schon die Rechnung mit einer Pandemie, die plötzlich die Welt neu in Atem hielt? Es kam die Absage von Alpine Welten: "Wir bringen Euch zwar nach Tansania, aber sehr wahrscheinlich nicht mehr nach Hause". Die Empfehlung lautete frühestens auf Herbst 2020 oder noch besser auf den selben Reisezeitraum 2021, also genau ein Jahr später, umzubuchen. Nach langem Überlegen fiel die Entscheidung der Teilnehmer auf Oktober 2020.

 

Die Reise rückt näher. Während in den Alpen über die Sommermonate bereits wieder reger Betrieb herrscht, ziehen sich die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts in die Länge. Zweifel kommen auf. Ob es vor Ort tatsächlich sicher ist? Ob so eine Reise in diesen Zeiten überhaupt durchführbar ist? Alpine Welten informiert bereits im August darüber, dass die Reisen zum Kilimanjaro auf Basis einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung und unter Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen trotz Reisewarnung wieder starten. Ein mulmiges Gefühl bleibt im Hinterkopf. Im September brechen die ersten Gäste tatsächlich zum Kilimanjaro auf. Sie kehren begeistert heim. Und gesund. Hans nimmt Kontakt mit Alpine Welten auf und kann seine zahlreichen Fragen und Bedenken klären. Seba, der schwäbisch sprechende Tansanier, der sein Guide vor Ort sein wird, kennt er bereits von Bergführertreffen in den Jahren zuvor. Mit Peter und Markus hat er außerdem zwei Mitstreiter für diese Reise. Es geht also tatsächlich los!

"...trotz Reisewarnung des Auswärtigen Amtes beschloss ich meine Reise Anfang Oktober 2020 anzutreten. Das Sicherheitskonzept vor Ort und das Argument von Alpine Welten, die Durchführung unserer Kilimanjaro-Reise bedeute für die eingesetzten Männer, dass diese zumindest für die nächsten zwei Monate ihre Familien ernähren können, waren die Hauptgründe für meine Entscheidung. Aber auch die Tatsache, dass Alpine Welten zwischenzeitlich bereits eine Reise ohne Zwischenfälle durchgeführt hatte, trug wesentlich dazu bei.

Mit einem Zubringerflug von München landeten wir in Amsterdam und flogen mit der KLM weiter nach Tansania. Die Hygienemaßnahmen in Holland waren deutlich höher als in München, das fiel schon mal auf. Abstände ließen sich problemlos einhalten. Das Flugzeug war nur zu einem Drittel belegt, so konnten wir ganze Sitzreihen für uns beanspruchen und schliefen quer liegend über die Flugzeit nach Afrika. Am Flughafen musste ich mir noch ein Visum besorgen, während die anderen Teilnehmer das bereits zuhause online erledigt hatten. Das sorgte für eine kleine Wartezeit, die sich hätte vermeiden lassen. Draußen warteten Peter, Markus und Seba, unser Guide, und gemeinsam ging es ins Hotel. Bis jetzt lief alles reibungslos...

...Wir erlebten einen unglaublich schönen Sonnenaufgang am Mount Meru mit der traumhaften Hintergrundkulisse des Kilimandscharos. Dieser Anblick ließ die Freude auf unser nächstes Gipfelziel noch einmal wachsen. Die dreimaligen Übernachtungen im Park in fast leeren Hütten waren sehr angenehm. Nur ein junges Schweizer Paar trafen wir. Sonst ist es dort im September/Oktober immer rappelvoll. Trotz unserer kleinen Dreiergruppe hatten wir, wie es bei diesen Touren üblich ist, eine zehnköpfige Begleitmannschaft dabei. Sie bemühten sich intensiv um ein gutes und entspanntes Gelingen unserer Tour. So wurde zum Beispiel auch für die Hüttenübernachtung für jeden Gast das Essen und Geschirr rauf und runter getragen. Am Kilimandscharo bekam jeder von uns ein praktisches Einzelzelt, welches die Begleitmannschaft jedesmal vor unserem Eintreffen aufgebaut hatte. Unsere Reisetasche lag dann im Zelt auch schon griffbereit. Morgens wurden wir liebevoll von unserem „Servicemann“ mit heißem Kaffee geweckt und anschließend konnten wir uns mit einer Schüssel warmen Wasser waschen. Verpflegt wurden wir von unserem exzellenten Koch im eigens aufgebauten Küchenzelt. Alle Camps waren fast leer. Statt 300 Bergsteigern waren dort maximal 10 Gipfelaspiranten.

Gipfelerfolg am Kilimanjaro

 

Am 13. Oktober 2020 stehen Hans, Markus und Peter gemeinsam mit Seba auf dem Gipfel des Kilimanjaro. Vom Stella Point am Kraterrand auf 5.730 m Höhe erreichen sie 45 Minuten später den 5.895 m hohen Uhuru Peak, das Dach Afrikas, und erleben einen unvergesslichen Sonnenaufgang. Freude. Erleichterung. Emotionen pur! Zurück am Mweka Gate werden in einer feierlichen Zeremonie die Gipfelurkunden überreicht. Hans' Urkunde hat die Nummer 447.520.

Die tansanische Mannschaft freut sich unglaublich über das gute Trinkgeld, das sie von Hans, Markus und Peter bekommen. Und Alpine Welten hat dieses noch einmal erheblich aufgestockt. Seit 8 Monaten haben die Jungs schließlich kein Einkommen und müssen ums Überleben kämpfen. Diese kleine Finanzspritze wird sie zumindest die nächsten zwei bis drei Monate über die Runden bringen.

Unsere drei Teilnehmer begeben sich schließlich noch auf eine 5-tägige Safari in die weltberühmte Serengeti. Auch in der tierreichen Wildnis Afrikas haben die Drei ein großartiges Erlebnis und sie können nur Gutes berichten.

"...ich war überrascht, dass man mitten in der Serengeti so komfortabel wohnen kann, im großen Zelt mit warmer Dusche, WC und Internet bei bester Verpflegung. Die Erfahrung, in der Wildnis zu übernachten, die Tiere zu hören und zu erleben hat unser Safarierlebnis vervollkommnet und ja, es war etwas abenteuerlich. So überwältigend wie das Tierschauspiel ist der Anblick der nahezu unendlich weiten Serengeti-Ebene, die sich abends von der trockenen, goldschimmernden Savanne bis zum rot glühenden Horizont erstreckt.

Wie schon am Kilimandscharo waren auch in der Serengeti sehr wenige Touristen unterwegs, so dass wir ganz in Ruhe Tierbeobachtungen machen konnten, ohne dass ständig an- und abfahrende Jeeps störten... Es war ein wunderbarer Abschluss unserer beeindruckenden Reise."

Fazit

"Es war ein rundum tief beeindruckendes Erlebnis auf einem Berg der Seven Summits zu stehen, der vermutlich nicht mehr so leer vorzufinden sein wird, sobald die Reisewarnung für Tansania ausgehoben wird. Zusätzlich verstärkt durch das Glück, das wir in Zusammenhang mit dem Brand auf der Coca Cola Route auf der anderen Seite des Berges hatten: ab dem folgenden Tag waren keine Gipfelbesteigungen mehr bis zum 18.10. möglich. Die anschließende Safari war ein faszinierendes Naturerlebnis. 

Mit nehme ich von dieser Reise auch Achtung und Mitgefühl für die Menschen dort, die ohne jegliche staatlichen Rettungsschirme auf ihre ganz eigene Art ums Überleben kämpfen müssen. Dankbarkeit und meinen Respekt für die Geste der Bergschule Alpine Welten, die ja ebenfalls durch die Coronakrise starke Verluste hat, das Trinkgeld für die Mannschaft großzügig aufzustocken. Es wäre wünschenswert, wenn weitere Unternehmen diesem Beispiel folgen würden und nicht immer auf Gewinnmaximierung aus wären.

Sowohl bei der Alpine Welten Kilimandscharo Tour als auch bei der Safari wurden die AHA-Regeln sehr gut umgesetzt. Die Begleitmannschaft achtete genau auf die Hygieneregeln. Großes Lob an Seba, den Guide von Alpine Welten vor Ort. Er hat uns viele Informationen zu diesem reizvollen Land und seiner Geschichte vermittelt. Außerdem gab er uns das Gefühl, während dieser Reise zu jeder Zeit sicher aufgehoben zu sein."

Reisewarnung vs. Gefährdungsbeurteilung - auf ein Wort

 

Eine Reisewarnung stellt kein Reiseverbot dar. Sinnvoller als eine pauschalisierte Reisewarnung auszusprechen, alle Reisen in Länder mit Reisewarnung abzusagen und den Menschen vor Ort teilweise die Lebensgrundlage zu nehmen, erscheint uns eine eigene Gefährdungsbeurteilung jedes einzelnen Landes. Nur mit einer genauen, kritischen und vernünftigen Beobachtung der aktuellen Lage vor Ort bzw. der Reise dorthin, kann individuell und realistisch beurteilt werden, ob außergewöhnliche Umstände die Reise beeinträchtigen oder nicht. Dies beinhaltet für uns einen umfangreichen Informationsaustausch mit unseren Partnern vor Ort. Selbstverständlich fließen auch Empfehlungen des RKI, des Auswärtigen Amtes sowie unseres Partners A3M Global Monitoring sowie Berichte aus den Medien, eigene Erfahrungen und Informationen von anderen Reisenden in unsere Entscheidungen mit ein. Letztendlich hat uns die Durchführung unserer ersten Reisen ins Ausland auf dieser Basis - trotz Corona und Reisewarnung - gezeigt, dass wir richtig liegen.

Afrika selbst ist von der Pandemie weniger betroffen als andere Kontinente. Das Leben findet dort mehr als anderswo draußen statt. Am Berg und auf Safari können Sicherheitsabstände problemlos umgesetzt werden. Unterkünfte in Arusha und Moshi werden von uns sehr gezielt ausgewählt. Seit Mitte Juni finden bereits die ersten Gipfelbesteigungen auf den Kilimanjaro wieder statt, wenn auch in sehr geringem Umfang. Unser Partner vor Ort hat uns über die letzten Monate hinweg detailliert über die Lage und Maßnahmen vor Ort auf dem aktuellen Stand gehalten. Airlines, Flughäfen und Unterkünfte haben entsprechende Abstands- und Hygienekonzepte umgesetzt. Hotelpersonal, aber auch Guides, Fahrer, Träger und Köche wurden vor Ort umfassend im Umgang mit Corona und damit verbundenen Hygienemaßnahmen geschult. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen haben wir mit unserem Partner abgestimmt und werden umgesetzt. Daher ist für uns ganz klar:

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