Bergsteigerschule Watzmann

Eisklettern-Schwierigkeitsgrade WI 1–7

Wie schwer ist ein Eisfall wirklich? Die gängige WI-Skala (Water Ice) reicht von WI 1 bis WI 7 und beschreibt Steilheit, Eisqualität und wie gut sich eine Route absichern lässt. Wer die Grade kennt, wählt die passende Linie – und weiß, wann er besser umdreht.

Wichtig vorweg: WI bewertet nur die Kletterei im Wassereis – nicht Länge, Zustieg oder Ernsthaftigkeit einer Tour. Und anders als am Fels gilt der Grad im Eis nur für gute Verhältnisse: Dieselbe Linie kann je nach Winter um einen Grad leichter oder schwerer sein.

Die WI-Skala auf einen Blick

Die Farben zeigen Dir die zugehörige Technik-Stufe unserer Schwierigkeitsbewertung – Grau heißt: diesen Grad führen wir nicht. Darunter jeder Grad einzeln mit Steilheit, Eiszustand, Sicherung und Anforderungen:

Illustration Eisklettern Grad WI 1 – Gehgelände im Eis

WI 1 – Gehgelände im Eis (40–50°)

Steiles Gehgelände im Eis – bei uns ist das Hochtouren-Terrain, kein Eisklettern.

  • Steilheit: 40–50°, eher steiles Gehen als Klettern.

  • Eiszustand: kompaktes Eis, meist Gletscher- oder Firnflanken.

  • Sicherung: leicht anzubringen; oft reicht das Gehen am kurzen Seil.

  • Anforderungen: sichere Steigeisentechnik und ein Pickel – für erfahrene Hochtourengeher machbar.

Diesen Grad führen wir nicht als Eisklettern – solche Passagen gehören bei uns zu den Hochtouren.

WI 2 – der Einstieg (60–70°)

Hier beginnt das Eisklettern: kurze Stufen, zwei Geräte, viel Gefühl fürs Eis.

  • Steilheit: 60–70°, abwechselnd steilere und flachere Passagen.

  • Eiszustand: kompaktes Eis.

  • Sicherung: sehr gut – Eisschrauben lassen sich bequem setzen.

  • Anforderungen: solide Steigeisentechnik, erste Erfahrung mit zwei Eisgeräten.

Genau das Terrain unserer Basic-Kurse – der Einstieg ins Eisklettern.

Illustration Eisklettern Grad WI 2 – der Einstieg
Illustration Eisklettern Grad WI 3 – kompakte Wasserfälle

WI 3 – kompakte Wasserfälle (70–80°)

Der Klassiker-Grad: kompakte Wasserfälle, an denen Du das Handwerk richtig lernst.

  • Steilheit: 70–80°, längere steile Aufschwünge.

  • Eiszustand: kompaktes Eis mit guten Ruhepunkten.

  • Sicherung: gut – Schrauben und Standplätze lassen sich sauber einrichten.

  • Anforderungen: saubere Dreipunkt-Technik, Kraft und Ruhe für längere Passagen – der Beginn der anspruchsvolleren Eiskletterei.

Auf diesem Niveau führen wir die meisten Touren – vom wilden Allgäu bis ins Maltatal; den Weg dorthin zeigen unsere Eiskletterkurse.

WI 4 – kurze senkrechte Passagen (um 80°)

Die ersten senkrechten Meter – kurz, aber fordernd.

  • Steilheit: um 80°, kurze Abschnitte senkrechten Eises.

  • Eiszustand: kompakt, mit kurzen Passagen Röhreneis.

  • Sicherung: gut bis teils schwierig – im Röhreneis brauchen Schrauben Gespür.

  • Anforderungen: sichere Technik aus WI 3, dazu Kraftreserven für die steilen Stellen; Drytooling-Training hilft spürbar.

Fortgeschrittenen-Level – hier setzt unser individuelles Seilschafts-Coaching an.

Illustration Eisklettern Grad WI 4 – kurze senkrechte Passagen
Illustration Eisklettern Grad WI 5 – lange senkrechte Passagen

WI 5 – lange senkrechte Passagen (85–90°)

Jetzt zählt Ökonomie: jeder Schlag, jeder Tritt.

  • Steilheit: 85–90°.

  • Eiszustand: kurze Passagen Röhreneis, weniger Ruhepunkte.

  • Sicherung: teils schwierig – gute Schraubenplätze wollen gefunden werden.

  • Anforderungen: viel Kraft und Ausdauer in Armen und Waden, sichere Schraubenplatzierung im Steilen.

Das Niveau unserer Extrem-Touren in Bad Gastein und im Averstal.

WI 6 – anhaltend senkrecht (90°)

Freistehende Säulen, kaum Ruhepunkte – körperlich und im Kopf die Königsklasse.

  • Steilheit: 90°, ohne nennenswerte Ruhepunkte.

  • Eiszustand: Röhreneis, freistehende Säulen, Kandelaber.

  • Sicherung: teils schlecht – Schrauben halten nicht überall, die Abstände werden groß.

  • Anforderungen: exzellente Technik, sehr viel Kraft – und die Nerven, beides taktisch einzuteilen.

Solche Linien gehen wir nur mit sehr erfahrenen Gästen – die Basis dafür legst Du im Coaching.

Illustration Eisklettern Grad WI 6 – anhaltend senkrecht
Illustration Eisklettern Grad WI 7 – die Grenze des Machbaren

WI 7 – die Grenze des Machbaren (überhängend)

Dünne, freihängende Gebilde, die kaum Sicherung zulassen.

  • Steilheit: überhängend.

  • Eiszustand: dünne freistehende Säulen, freihängendes Eis.

  • Sicherung: sehr schlecht – oft nur eine Handvoll fragwürdiger Punkte.

  • Anforderungen: Weltklasse-Niveau: absolute Beherrschung von Technik, Taktik und Kopf.

WI 7 ist nur in Ausnahme-Wintern kletterbar – geführte Touren gibt es hier nicht.

WI, AI oder M – welche Skala gilt wann?

Eisklettern ist nicht gleich Eisklettern: Je nachdem, ob Du an gefrorenen Wasserfällen, im Gletschereis oder mit den Geräten am Fels unterwegs bist, gilt eine eigene Skala.

Anders als beim Klettern gibt es für WI keine offizielle Normierung: Die Skala stammt aus dem nordamerikanischen Wassereisklettern und wird im Alpenraum leicht unterschiedlich ausgelegt. Wir folgen hier der gängigen Einteilung, wie sie auch in den Standardwerken zum Eisklettern verwendet wird.

AI – Alpineis

Gletscher- und Firneis in alpinen Wänden – meist kompakter und gutmütiger als Wassereis, deshalb eine eigene, mildere Skala.

M – Mixed & Drytooling

Klettern mit Eisgeräten am Fels, mit und ohne Eis. Unser Drytooling-Tageskurs bewertet sich nach dieser Skala – bis etwa M 6.

Eis ist nie gleich Eis – die Verhältnisse entscheiden

Am Fels ist ein Grad im nächsten Jahr noch derselbe – im Eis nicht. Dieselbe Linie kann fett und gutmütig aufgebaut sein oder dünn, spröde und hohl: Je nach Temperatur, Wasserführung und Zahl der Begehungen schwankt der Anspruch schnell um einen ganzen Grad.

Nimm die WI-Angabe deshalb als Richtwert für gute Verhältnisse – und die Einschätzung vor Ort ernst. Kalte Nächte, Tauwetter, Sonne am Nachmittag: All das verändert einen Eisfall innerhalb von Stunden. Genau deshalb entscheidet am Ende der Blick des Bergführers, ob eine Linie heute geht.

Welcher Grad passt zu Dir?

Für den Einstieg brauchst Du keinen Grad, sondern einen guten Kurs: Dort lernst Du Gerätetechnik, Fußarbeit und Schrauben setzen – und kletterst dabei schon WI 2 bis 3 im Toprope (unsere Eisklettern-Angebote). Mit ein, zwei Saisons Erfahrung bist Du im WI-3-Bereich zuhause, in dem die meisten geführten Touren liegen. Ab WI 5 wird es ernst – dorthin führt der Weg über Fortgeschrittenen-Kurse und Coaching.

Was dabei an die Geräte, Schrauben und Bekleidung gehört, liest Du in Steileisklettern – Material und Tipps.

Häufige Fragen zu den Eisklettern-Schwierigkeitsgraden

Welcher WI-Grad ist für Anfänger geeignet?

Für den Einstieg kletterst Du im Kurs WI 2 bis 3 im Toprope – gut gesichert und ohne Vorstiegs-Risiko. Wichtiger als der Grad ist die Technik: Gerätehaltung, Fußarbeit und Schrauben setzen lernst Du am besten in einem Eiskletterkurs.

Was bedeutet WI beim Eisklettern?

WI steht für Water Ice, also gefrorenes Wassereis – Wasserfälle und Eiskaskaden. Die Skala reicht von WI 1 (Gehgelände) bis WI 7 (überhängend, kaum absicherbar) und beschreibt Steilheit, Eisqualität und Absicherbarkeit bei guten Verhältnissen.

Was ist der Unterschied zwischen WI, AI und M?

WI bewertet Wassereis (gefrorene Wasserfälle), AI Alpineis (Gletscher- und Firneis, meist gutmütiger), M das Mixed-Klettern mit Eisgeräten am Fels. Dieselbe Steilheit fühlt sich in den drei Welten sehr unterschiedlich an – deshalb drei Skalen.

Wie verlässlich sind die WI-Grade?

Als Richtwert für gute Verhältnisse. Dieselbe Linie kann je nach Winter, Temperatur und Begehungen um etwa einen Grad leichter oder schwerer sein – prüfe vor der Tour immer die aktuellen Verhältnisse oder frag Deinen Bergführer.

Ab welchem Grad klettert man im Vorstieg?

Das entscheidet nicht der Grad, sondern Deine Erfahrung: In den Kursen kletterst Du zunächst im Toprope, den Vorstieg lernst Du ab Fortgeschrittenen-Level – typischerweise ab sicher beherrschtem WI 3. Vorstieg im Eis heißt: nicht stürzen. Deshalb steht er am Ende der Ausbildung, nicht am Anfang.

Grad ist nicht gleich Gesamtschwierigkeit

Die WI-Skala beschreibt nur die Kletterei im Eis. Bei Alpine Welten bewerten wir zusätzlich Kondition, Gesamtschwierigkeit, alpine Erfahrung und Ernsthaftigkeit jeder Reise – diese Schwierigkeitsbewertung zeigt Dir den Gesamtanspruch einer Tour, nicht nur wie steil das Eis ist. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt unser Eisklettern in Kandersteg: Technik 3 von 5, aber Gesamtnote 4,2 – weil lange Tage und ernstes Gelände dazukommen.

Passende Eisklettern-Angebote

Vom Schnupperkurs bis zur Extrem-Tour – sortiert von leicht nach schwer:

Jan Langbein, Digitales · Website bei Alpine Welten

Geschrieben von

Jan Langbein

Digitales · Website

Veröffentlicht am 27.08.2026 · Lesezeit: 6 min