Der 4.892 m hohe Mount Vinson überragt die Ellsworth Mountains im Westen der Antarktis und ist der höchste Berg des Kontinents. Rund 1.200 km vom Südpol entfernt steigt das Vinson-Massiv aus einer nahezu vollständig vergletscherten Landschaft auf. Als einer der Seven Summits verbindet der Berg große Höhe mit einer Herausforderung, die ihn von allen anderen Gipfeln dieser Reihe unterscheidet: Isolation, Kälte und die aufwendige Logistik einer Expedition in die Antarktis.
Die Normalroute führt vom Vinson Base Camp über den Branscomb-Gletscher zu mehreren Lagern und schließlich über weite Schneehänge zum Gipfel. Technisch zählt die Besteigung zu den moderateren Seven Summits, verlangt aber den sicheren Umgang mit Steigeisen, Seil und Gletscherausrüstung. Die eigentliche Herausforderung ist die polare Umgebung: Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, Wind und schnelle Wetterwechsel können den Zeitplan jederzeit verändern.
Die erste Besteigung gelang 1966 einer zehnköpfigen amerikanischen Expedition unter Nicholas Clinch. Am 18. Dezember erreichten zunächst John Evans, Barry Corbet, Bill Long und Pete Schoening den Gipfel; wenige Tage später hatten alle zehn Expeditionsmitglieder auf dem höchsten Punkt der Antarktis gestanden. Die Expedition bestieg darüber hinaus mehrere weitere hohe Gipfel der Ellsworth Mountains und leitete damit die alpinistische Erschließung der Region ein.
Während des antarktischen Sommers von November bis Januar geht die Sonne nicht unter. Die Anreise bleibt dennoch außergewöhnlich: Von Punta Arenas in Chile fliegen Expeditionen zunächst über die Drake-Passage zum Union Glacier Camp auf dem antarktischen Inlandeis. Von dort geht es mit einem kleineren, skikufengängigen Flugzeug weiter zum Vinson Base Camp – bereits der Weg zum Berg ist damit Teil der Expedition.