Der Ararat erhebt sich im äußersten Osten der Türkei aus dem Armenischen Hochland. Mit 5.137 m ist der ruhende Vulkan der höchste Berg des Landes. Sein nahezu frei stehender Kegel überragt die Ebenen des Aras um mehr als 4.000 Höhenmeter und trägt die größte zusammenhängende Gletscherfläche der Türkei. Nur wenige Kilometer entfernt verlaufen die Grenzen zu Armenien, Iran und Nachitschewan. Neben dem Großen Ararat erhebt sich der Kleine Ararat mit knapp 3.900 m. Seit 2004 sind beide Vulkane und ihre Umgebung Teil des rund 880 Quadratkilometer großen Ağrı-Dağı-Nationalparks.
Der Berg ist jedoch weit mehr als ein alpinistisches Ziel. Für die Armenier ist der Ararat – armenisch Masis – seit Jahrhunderten ein zentraler Identifikationsort und nationales Symbol, obwohl er heute außerhalb Armeniens liegt. Die Landschaft an seinem Fuß war lange von armenischen Dörfern, Klöstern und Kirchen geprägt. Im Zuge des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich ab 1915 verschwand schließlich ein großer Teil der jahrhundertealten armenischen Bevölkerung aus der Region.
Heute ist die Umgebung des Ararat vor allem kurdisch geprägt. Viehzucht und saisonale Weidewirtschaft haben die Hochflächen und Bergweiden über Generationen mitgeformt; Schaf- und Ziegenherden gehören bis heute zum Landschaftsbild. Die Geschichte der Region blieb auch nach dem Ersten Weltkrieg konfliktreich: Ende der 1920er-Jahre wurde der Ararat zum Zentrum eines kurdischen Aufstands gegen den jungen türkischen Staat, der 1930 militärisch niedergeschlagen wurde.
Auch seine religiöse Bedeutung reicht weit über die Region hinaus. In der christlichen Tradition wird der Ararat mit der Arche Noah verbunden – wobei die Bibel selbst lediglich von den „Bergen von Ararat“ spricht und keinen einzelnen Gipfel bezeichnet. Die erste dokumentierte moderne Besteigung gelang 1829 einer Gruppe um den Naturforscher Friedrich Parrot und den armenischen Geistlichen und späteren Schriftsteller Khachatur Abovian. Für heutige Bergsteiger ist der Normalweg technisch vergleichsweise moderat; Höhe, Wetter und die vergletscherte Gipfelregion machen den Ararat dennoch zu einem ernst zu nehmenden Ziel.